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Die deutsche Romantik

Stimmen einer aufregenden Epoche
Christian Quadflieg zu seinem Programm:
Wenn ich mich mit der deutschen Romantik beschäftige, so kann man mit recht erwarten, daß die Lyrik im Mittelpunk meiner Auswahl steht.
Es geht um Zeit zwischen 1789 und 1848.
Was sagen uns Gedichte, die zwischen der französischen Revolution und dem "Vormärz" entstanden?
Die Dichter der "Romantik" haben sich selbst nie als Romantiker bezeichnet.
Das Wort "romantisch" wurde damals auch nicht im Sinne von "gefühlig", oder "weltfremd" verwendet, sondern eher im Sinne von "kühn", "zukunftsorientiert",
"visionär".
Ich hege den Verdacht, daß das romantische Kleid in dem die Dichrung jener Zeit daherkommt, möglicherweise nur zur Tarnung umstürzlerischer Gedanken diente?
Eins steht fest:
Die meisten Autoren jener Epoche hatten mit der staatlichen Zensur zu kämpfen und Persönlichkeiten wie Heinrich Heine, Ludwig Börne, Georg Büchner u.a. flohen ins Exil.
Ganz besonders illuster ist der Kreis von Geistesgrößen, die sich in Berlin im literarischen Salon der Rahel Varnhagen von Ense tummelte.
Alles sehr aufregend!

PRESSE-ECHO:

MANNHEIMER MORGEN 09.08.2008
"Lesung: Schauspieler Christian Quadflieg bereichert wieder einmal
das Kulturprogramm der Nibelungenfestspiele in Worms.
Romantische Revolution von Heidelberg bis Jena"

Er zählt fast schon zum Inventar des kulturellen Rahmenprogramms bei
den Wormser Nibelungenfestspielen. Vor drei Jahren widmete sich
Christian Quadflieg in einer Lesung Friedrich Hebbel, danach versprühte er
die feine Ironie Heinrich Heines. Diesmal hat sich der mittlerweile 63-jährige Schauspieler („Der Landarzt“, „Vater wider Willen“) die Poesie der Romantik
vorgenommen. Und macht daraus ein ebenso lehrreiches wie unterhaltsames
Programm.
Quadflieg hat selbst die Klassiker durchgewälzt und stellt die Werke von
nicht weniger als 28 Autoren vor. Neben Novalis, Eichendorff, Arnim, Brentano,
Tieck und Uhland lässt er auch wesentlich unbekanntere Dichter wie Luise Hensel zu Wort kommen. Deren „Nachtgebet“ hat gleichwohl Eingang in die kollektive Volkspoesie genommen. „Müde bin ich, geh zur Ruh."
Nicht ungeschickt bettet er die Epoche und ihr Lebensgefühl in ihr politisches Umfeld ein. In der Abkehr von der klaren, die Vernunft betonenden Klassik
stellen die Romantiker das Gefühl in den Mittelpunkt ihres Interesses.
Wobei Quadflieg anhand einiger Beispiele mit dem verbreiteten Missverständnis aufräumt, die Romantik sei verklärend Nostalgie.
Im politischen Umbruch nach dem Niedergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 entpuppt sich mancher Vers mit doppelbödigem Sinn geradezu als revolutionär.
„Das hätten Sie nicht gedacht als Sie heute Abend hierher, gekommen sind“,
genießt Quadflieg die Verblüffung seines Publikums.
Durchaus flott arbeitet der Schauspieler sich mit wohltuend sonorer Stimme
durch die Epoche, führt das Publikum in die Dichterkreise in den literarischen Zentren und Salons von Jena, Heidelberg und Berlin. Und schildert die innere
Zerrissenheit, die so manchen der romantischen Autoren früh aus dem Leben
scheiden ließ.
Zwei Stunden dauert die Lesung und wird damit für alle zur kleinen
Herausforderung. Weniger durch die Auswahl der Gedichte, denn Quadflieg
sorgt mit eher banalen Sinnsprüchen und Gedichten, denen die Romantiker
auch fähig waren, für wohlgesetzte Brüche im Textprogramm.
Vielmehr ist es im bis auf den letzten Platz besetzten Lincoln-Theater
brütend heiß.
Außerdem macht dem Schauspieler im Fortgang des Abends zunehmend
eine kleine Fliege zu schaffen, die sich im Rampenlicht und im Haar des
Schauspielers sichtlich wohl fühlt.
Unterm Strich bleibt der Abend indessen ein kurzweiliger Ausflug in eine
durchaus vielschichtige Literatur-Epoche.
(Bernhard Zinke)

WORMSER TAGEBLATT vom 09.08.2008
"Romantischer Zauber in der Luft"
Christian Quadflieg rezitiert Gedichte der "deutschen Romantik" im Lincoln-Theater
"Wohl kaum etwas ist so romantisch wie ein gut aussehender, gepflegter Mann mit sonorer, leicht vibrierender Stimme, der auch dann noch mit größtem Ausdruck Liebes-, Widerstands- und Freiheitsgedichte vorträgt, wenn das Thermometer weit über 30 Grad geklettert ist.
Und so war das Lincoln-Theater restlos ausverkauft, als Christian Quadflieg Gedichte der „deutschen Romantik“ rezitierte.
Das Gros der Zuhörer und Zuschauer waren interessierte Damen.
Der beliebte Schauspieler, der schon zweimal während der
Nibelungen-Festspiele mit literarischen Lesungen (Hebbel und Heine) zu Gast in Worms war, hatte sich dieses Mal mit den „Stimmen einer aufregenden Epoche“ ein riesiges Betätigungsfeld ausgewählt.
Dass er selbst ein wenig Mühe mit den Auswahlkriterien hatte, ließ er - eher rhetorisch – vor der Pause anklingen, denn die Romantiker lassen sich, wie er gleichermaßen informativ und amüsant erläuterte und an Beispielen zeigte, trotz vieler Gemeinsamkeiten ganz und gar nicht über einen Kamm scheren.
Bei aller Gefühls- und Naturbetontheit bezogen sie, durchdrungen von den freiheitlichen Gedanken der Französischen Revolution, auch vehement politisch Stellung, was man heute oft nicht mehr weiß.
Neben schwärmerischen Liebesgedichten gibt es denn auch ironisch-bissige Balladen, Briefe und Epigramme. Und zwischendrin menschelte es natürlich ganz gehörig.
Christian Quadflieg hatte sich entschieden, einen möglichst umfassenden Überblick über diese Hochblüte deutscher Literatur zu geben, von der Jenaer Frühromantik über die Heidelberger bis zur schwäbischen Romantik, und gleichzeitig der Vielfalt der Aspekte gerecht zu werden.
Dabei verschaffte er seinem Publikum nicht nur Wiedererkennungserlebnisse, sondern brachte auch manche weniger bekannten Gedichte zu Gehör, zudem Streitbares, Überschwängliches, Empfindsames oder Witziges, darunter auch manches, das nur noch wie Silbengeklingel in den Ohren rauscht und auf das man getrost hätte verzichten können.
Vieles dagegen hat seinen Zauber und seine Sprachgewalt bis heute nicht verloren.
So durften die Zuhörer schwelgen in wunderschönen Gedichten von Mörike, Uhland und Heine, mit Eichendorff und Novalis auf die Suche nach der blauen Blume gehen und sich nach Arkadien träumen, atemlos Bürger- und Voss-Balladen lauschen und sich immer wieder erfreuen an der oft verschlüsselten, aber häufig auch scharfen Gesellschaftsanalyse und dem aufmüpfigen Selbstbewusstsein der Romantiker, zu denen auch eine Reihe bedeutender Frauen zählte.
Ganz besonders eindrucksvoll waren Quadfliegs kleine fiktiven Gespräche im Berliner Salon der Rahel Varnhagen, die sich auf neue Weise mit dem Sein und Sinn des Menschen auseinandersetzten.
Krönender Abschluss: Eichendorffs „Frische Fahrt“" und seine „Mondnacht“, bei der das Publikum glückselig mitmurmelte."
(Ulrike Schäfer)

„Berühmte Perlen und selten Zitiertes“
Schauspieler Christian Quadflieg liest in der Sonntagsmatinee Texte aus
der deutschen Romantik

B a d V i l b e l :„Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken. "
Wie kein anderer versteht es Christian Quadflieg, den Menschen eine ganze
Literaturepoche nahe zu bringen, egal welcher Schicht sie angehören ,
welchen Bildungsstand sie mitbringen und wie jung oder alt sie sind.
Zugegeben am Sonntag füllte sich die schöne alte Wasserburg zur Matinee nicht mit vorwiegend jugendlichen Zuhörern, die gekommen waren, um Quadflieg zu lauschen, aber sie füllte sich, und zwar so gut wie gänzlich.
Fast wäre man jetzt versucht gewesen, zu behaupten, die Ruine der Wasserburg sei eine „romantische“ Kulisse für eine Lesung unter dem Titel:
„Die deutsche Romantik-Stimmen einer aufregenden Epoche“, doch die
Ausführungen des Fernsehschauspielers Quadflieg, der sich als Kenner der Literaturgeschichte erwies und mit vielen Details aus den Biografien der Dichter und Dichterinnen, aus deren Werken er Beispiele vortrug, haben den aufmerksamen Zuhörer eines Besseren belehrt, und er hat gelernt, den Begriff „romantisch“ nur ganz vorsichtig zu gebrauchen.
Vor allem: Die deutsche Romantik, also die Literaturepoche zwischen 1789
und 1848 war ganz sicher nicht in unserem Sinne romantisch, was ja soviel heißt wie gefühlsselig, sentimental, idyllisch und rückwärts gewandt, es doch hin und wieder
den Anschein hat, dann liegt das an einer geschickten Mimikry- und Verschlüsselungstaktik, die weitgehend durch die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit bedingt war, welche den Freiheitsdrang und die Meinungsäußerung
der Menschen heftig beschnitt und einschränkte.
Wer sich da bei der Obrigkeit missliebig machte, riskierte Leib und Leben .
Quadflieg gelang es, anhand von Texten, die er sehr geschickt ausgewählt
hatte, routiniert vortrug und hin und wieder heiter kommentierte, diese
widersprüchliche und springlebendige Zeit der politischen Umwälzungen dem Publikum höchst eindringlich vorzuführen.
Und wer Ohren hatte zu hören, der war hinterher nicht allein von dem
berühmten Quadflieg’schen Charme eingenommen, sondern hatte auch eine ganze Menge mehr gelernt, als man normalerweise in zwei Stunden bewältigen kann.
Die französische Revolution, die folgenden Befreiungskriege, das
Zusammentreten des Frankfurter Parlaments, des ersten in Deutschland ,
all das gab den Menschen damals Hoffnung, es könne so etwas wie ein poltischer
Frühling ausbrechen, in dem es keine Zensur mehr gäbe und keine Obrigkeitszwänge,
und wenn man mit dieser Kenntnis zum Beispiel Hebbels Gedicht „Sehnsucht nach dem Frühling“ hört, dann versteht man gut, was mit „Verschlüsselung gemeint ist.
Die vielfältigen und wechselnden Beziehungen unter den meist jungen Männern und
Frauen, die wir heute die “Romantike r“ zu nennen pflegen und die sich vorwiegend
in den Universitätsstädten Jena und Heidelberg trafen, von besseren Zeiten schwärmten, von freier Liebe, grenzenlosen Wanderungen und Reisen, von
Gleichheit und Brüderlichkeit und von der blauen Blume, nach der sie sich sehnten
und die sie doch nie finden konnten, all das führte Quadflieg mit leichter Hand vor,
wobei er mühelos Überleitungen von einem Namen zum anderen fand.
So gaben sie sich in einem bunten Reigen die Hand, die Frühvollendeten ,
die Zerrissenen, die Emanzipierten, die Liebenden und die Exilanten dieser Zeit:
Heine, Tieck, Schlegel, Wackenroder, Eichendorff und Novalis, Klopstock,
Bürger, Arnim, Brentano und Uhland, Mörike, Rückert, Kleist, Chamisso.
Dazu die mutigen und selbstständigen Frauen:
Luise Hensel, deren Nachtgebet noch heute fast jedes Kind kennt, Rahel Varnhagen
von Ense, in deren Salon sich alle trafen, die Günderode, die Mereau und Bettine von Arnim, geborene Brentano.
Goethe, das muss festgehalten werden, war nicht dabei, ihm machte das
Revolutionäre bekanntlich eher Angst.
Was Quadflieg vortrug, das waren entweder nahezu unbekannte, selten zitierte Texte meist Gedichte, gewissermaßen versteckte Edelsteinchen, manche heiter und übermütig und mit überraschenden Schlusspointen versehen, oder die berühmten Perlen, die man früher in der Oberstufe auswendig lernen musste und noch heute mitflüstern kann, wenn sie jemand laut liest.
All die etwa vierzig kleinen Vorträge wurden kunstreich und mit einem Lächeln vollzogen, und jeder Einzelne bildete eine der vielen Facetten, die ein Zeitalter bietet, wenn man es nicht in Schubladen einteilt, sondern es am Leben lässt, wie Novalis, der auch Schmetterlinge nicht aufspießen, sondern lieber ergründen möchte, wie es wohl klingt, wenn sie lachen ...
Und lächelnd spendeten alle Beifall und bekamen ihre Zugabe.

Wetterauer Zeitung, 11.8.2009 Jo Hennig